13. August 2026
Forschen auf der Ostsee
Hinweis: Das Interview wurde vor ihrem Forschungsaufenthalt auf der ALDEBARAN aufgenommen. Bis März nächsten Jahres können sich Teams ab der 9. Klasse nun wieder für den Wettbewerb bewerben. Weitere Infos unter: https://www.meeresstiftung.de/meereswettbewerb
Was geht dir durch den Kopf, wenn du daran denkst, dass du bald auf der Ostsee forschen wirst?
Ich freue mich vor allem total aufs Segeln, ich segle selbst leidenschaftlich gern. Gleichzeitig weiß ich noch nicht genau, was mich an Bord erwartet. Ich hoffe natürlich auf gutes Wetter, gute Stimmung und vielleicht sogar die Möglichkeit, zwischendurch mal ins Wasser zu springen.
Vor allem freue ich mich aber darauf, richtig wissenschaftlich zu arbeiten. Ich kann zum Beispiel schon mikroskopieren, möchte mich aber noch weiter verbessern. Deshalb finde ich es gut, dass ein Science Coach dabei ist, der bei Fragen unterstützt und uns auch beim Umgang mit der Ausrüstung hilft.
Wie würdest du dein Forschungsprojekt jemandem erklären, der überhaupt nicht vom Fach ist?
In der Ostsee gibt es sogenannte Todeszonen. Das sind Bereiche, in denen so wenig Sauerstoff vorhanden ist, dass viele Lebewesen dort nicht mehr überleben können.
Wir möchten genauer untersuchen, was „Todeszone“ eigentlich bedeutet. Sind dort wirklich alle Organismen tot, oder gibt es kleinere Lebewesen, die trotzdem noch überleben können?
Dafür wollen wir uns unter anderem Makrofauna wie Muscheln und Seegras anschauen und, wenn es möglich ist, auch kleinere Organismen wie Zooplankton untersuchen. Vereinfacht gesagt wollen wir herausfinden: Ist eine Todeszone wirklich "tot, tot" oder lebt dort doch noch etwas?
Was wäre für dich ein gutes Forschungsergebnis an Board?
Ich würde sagen: Die Bestätigung meiner Hypothese, dass mikroskopische Lebewesen wie Zooplankton in den Todeszonen der Ostsee noch leben.
Selbstverständlich wären eindeutige Ergebnisse auch wünschenswert.
Ich hoffe zudem darauf, dass wir die richtigen Todeszonen finden, das ist nämlich auch nicht so leicht.
Wie bist du überhaupt auf dieses Forschungsthema gekommen?
Mich interessiert dieser Bereich eigentlich schon ziemlich lange.
An dem Wettbewerb habe ich dann teilgenommen, weil eine solche Erfahrung helfen kann, zu lernen, wie man ein eigenes Forschungsprojekt wirklich weiterentwickelt und seine Ergebnisse präsentiert.
Gab es bisher einen Moment, in dem du dachtest: Jetzt verstehe ich, wie alles zusammenhängt?
Ja, besonders spannend fand ich die Zusammenhänge hinter der Entstehung der Todeszonen.
Durch Faktoren wie den Klimawandel und die Überdüngung kann sich die Schichtung des Wassers verstärken. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in tiefere Wasserschichten. Wenn man diese ganze Kausalkette versteht, wird plötzlich deutlich, wie verschiedene Umweltfaktoren miteinander zusammenhängen. Das war gerade am Anfang des Projekts ein großer Aha-Moment für mich.
Welche Ausrüstung könnte für dich auf der ALDEBARAN besonders interessant sein?
Wir haben einen Bodengreifer, das ist eine riesige Baggerschaufel, mit der wir Proben aus dem Meeresboden entnehmen können, um sie danach im Labor an Bord zu untersuchen, das finde ich besonders interessant.
Alternativ wäre uns sogar ein Taucher zugeteilt worden, aber das war für meinen Forschungsrahmen nicht notwendig.
Wie stellst du dir Forschung auf einem Schiff im Vergleich zur Forschung im Labor vor?
Auf jeden Fall deutlich nasser! Wir werden wahrscheinlich ziemlich viel Schlamm vom Meeresboden hochholen und den dann nach Organismen durchsuchen.
Gleichzeitig gibt es auf dem Schiff auch ein kleines Labor mit Mikroskopen: Wir können also Proben direkt aus dem Meer holen und anschließend gleich an Bord untersuchen. Das ist natürlich etwas ganz anderes, als nur im Labor zu sitzen.
Worauf freust du dich an Bord am meisten?
Aufs Segeln, ganz klar. Und auf gutes Wetter und gute Laune!
Aber ich freue mich auch sehr darauf, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten und zu erleben, wie Forschung unter realen Bedingungen auf dem Wasser funktioniert.
Was würdest du anderen Schüler:innen sagen, die selbst mit einem Forschungsprojekt starten möchten?
Trial and Error gehört auf jeden Fall dazu. Man muss ausprobieren, Dinge verwerfen und manchmal noch einmal ganz neu anfangen.
Ich glaube aber auch: Man sollte ein Thema wählen, für das man sich wirklich brennend interessiert. Denn ein Forschungsprojekt begleitet einen lange. Wenn man selbst unbedingt wissen möchte, was am Ende herauskommt, bleibt man auch dann dran, wenn zwischendurch etwas nicht funktioniert.
Wie geht es für dich nach dem Forschungsaufenthalt weiter?
Ich möchte meinen Abschlussbericht fertigstellen und mein Projekt bei Jugend forscht einreichen – vielleicht später auch beim BundesUmwelt-Wettbewerb teilnehmen.
Inhaltlich möchte ich mich als Nächstes am liebsten mit Korallenriffen beschäftigen und zudem ein Studium im Bereich der Meeresforschung anfangen. Das war auch ursprünglich der Grund, warum ich am Wettbewerb teilgenommen habe: Ich wollte herausfinden, ob ich mir ein Studium in diesem Bereich vorstellen kann.
Zum Schluss: Was kostet dich die Teilnahme an der Forschungsfahrt?
Für mich werden die Kosten übernommen. Dazu gehören unter anderem die Reise und die Übernachtungen. Dadurch kann ich mich ganz auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: die Forschung.
Wir gratulieren Sienna ganz herzlich zu diesem großartigen Erfolg, bedanken uns bei unserer Kollegin, Andrea-Xenia, für die tolle Betreuung, und freuen uns schon auf den Abschlussbericht!